Die Geschichte der westlichen Musik ist ohne Deutschland nicht erzählbar. Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Richard Wagner, Richard Strauss — diese Namen repräsentieren nicht nur deutsche Biographien, sondern Epochen, Stile, Entwicklungen, die das musikalische Denken der Welt über Jahrhunderte geprägt haben. In keinem anderen Land der Welt gibt es eine vergleichbare Dichte an kompositorischen Zentralfiguren der Musikgeschichte.

Aber Deutschlands musikalischer Einfluss ist nicht bei der Klassik stehen geblieben. Im 20. und 21. Jahrhundert hat Deutschland — und insbesondere die elektronische Szene der Bundesrepublik und Berlins — erneut globale Musikgeschichte geschrieben: mit Krautrock, elektronischer Musik, Techno und einer Clubkultur, die Generationen von Produzenten und DJs auf der ganzen Welt beeinflusst hat.

Das Beethoven-Erbe und der deutsche Klassikbetrieb

Die Pflege des klassischen Erbes ist in Deutschland nach wie vor eine ernste Angelegenheit. Deutschland hat mehr Opernhäuser pro Einwohner als jedes andere Land der Welt — über 80 subventionierte Opernbühnen. Die Berliner Philharmoniker, die Münchner Philharmoniker, die Gewandhausorchester Leipzig gehören zu den renommiertesten Orchestern der Welt. Die öffentliche Förderung dieses Betriebs ist erheblich und umstritten — die Frage, für wen diese Institutionen eigentlich spielen, ist eine der dauerhaftesten Debatten der deutschen Kulturpolitik.

Kraftwerk — das Düsseldorfer Duo, das in den 1970er Jahren elektronische Musik als eigenständige Kunstform etablierte — wird von Musikhistorikern regelmäßig als die einflussreichste Band des 20. Jahrhunderts genannt, was Techno, Hip-Hop, Electro und praktisch alle Formen elektronischer Popmusik angeht. Von Afrika Bambaataa bis Daft Punk — kaum eine bedeutende elektronische Musikrichtung wäre ohne Kraftwerk denkbar.

Berliner Clubkultur und globale Wirkung

Die Berliner Techno-Szene, die sich nach dem Mauerfall 1989 in den verlassenen Industrie- und Fabrikgebäuden Ost-Berlins entwickelte, ist heute Weltkulturerbe-Kandidat und ein Phänomen, das Musikjournalisten aus aller Welt anzieht. Clubs wie das Berghain, der Tresor oder die frühere Love Parade sind nicht nur Unterhaltungseinrichtungen, sondern kulturelle Institutionen mit eigenem Selbstverständnis, eigener Ästhetik und eigenem gesellschaftlichem Anspruch.

Schlager, Volksmusik und regionale Identität

Jenseits der globalen Einflüsse gibt es eine zutiefst deutsche Musikkultur, die weniger international bekannt, aber gesellschaftlich mindestens ebenso bedeutend ist: Schlager, Volksmusik, Blasmusik, Chorgesang. Die Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände zählt über 60.000 Chöre mit mehr als zwei Millionen Sängerinnen und Sängern — eine Zahl, die das gesellschaftliche Gewicht des gemeinschaftlichen Musikmachens in Deutschland illustriert.