Deutschland hat eine literarische Tradition, die in ihrer Breite und Tiefe ihresgleichen sucht. Von Goethe und Schiller über Thomas Mann, Bertolt Brecht und Heinrich Böll bis zu Günter Grass, Christa Wolf und Peter Handke hat die deutsche Sprache eine Literatur hervorgebracht, die zu den bedeutendsten der Weltliteratur zählt. Drei Nobelpreisträger der Literatur in der jüngeren Vergangenheit — Günter Grass, Herta Müller und Peter Handke — dokumentieren, dass diese Tradition in der Gegenwart lebendig geblieben ist.

Die neue Vielstimmigkeit der deutschen Literatur

Die deutsche Gegenwartsliteratur des 21. Jahrhunderts ist vielfältiger als je zuvor — und diese Vielfalt spiegelt die Zusammensetzung der deutschen Gesellschaft wider. Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit Migrationshintergrund oder mit familiären Wurzeln außerhalb Deutschlands haben sich in den letzten zwanzig Jahren als zentrale Stimmen der deutschen Literatur etabliert.

Senthuran Varatharajah, Olga Grjasnova, Saša Stanišić, Fatma Aydemir — diese Namen stehen für eine Generation von Autorinnen und Autoren, die die deutsche Sprache von außen nach innen betreten haben und dadurch in der Lage sind, Fragen nach Zugehörigkeit, Identität, Fremdsein und Integration mit einer Schärfe und Authentizität zu stellen, die aus dem deutschen literarischen Establishment allein kaum hätte kommen können.

Das Frankfurter Buchmesse-Ökosystem

Die Frankfurter Buchmesse, die größte Buchmesse der Welt, ist mehr als eine Handelsveranstaltung: Sie ist ein jährlicher Barometer der deutschen und internationalen Literaturszene, ein Ort, an dem Lizenzen verkauft, Karrieren gemacht und literarische Tendenzen sichtbar werden. Der Deutsche Buchpreis, verliehen zur Eröffnung der Buchmesse, hat sich als wichtigste Bühne für die jährliche Frage entwickelt: Was ist das wichtigste deutsche Buch dieses Jahres?

Lesen in Deutschland

Deutschland ist eine Lesenation — im europäischen Vergleich zählt es zu den stärksten Buchmärkten. Die Buchpreisbindung, die einheitliche Verkaufspreise für Bücher im gesamten deutschen Sprachraum sichert, hat den stationären Buchhandel länger als in anderen Ländern lebensfähig gehalten und damit die kulturelle Infrastruktur des Buchmarkts geschützt. Ob dieses Modell die digitale Transformation langfristig übersteht, ist eine der offenen Fragen der deutschen Kulturwirtschaft.