Der deutsche Film hat Weltgeschichte geschrieben. Von den expressionistischen Meisterwerken der Stummfilmzeit über Fritz Langs "Metropolis" und F.W. Murnaus "Nosferatu" bis zu den internationalen Erfolgen des Neuen Deutschen Films der 1970er und 1980er Jahre — Fassbinder, Wenders, Herzog, Schlöndorff — hat das deutsche Kino regelmäßig Werke hervorgebracht, die die internationale Filmgeschichte geprägt haben.

Oscar-Erfolge und internationales Ansehen

In der jüngeren Vergangenheit hat Deutschland bei den Academy Awards mit fremdsprachigen Produktionen wiederholt reüssiert. "Das Leben der Anderen" (2006), Caroline Links "Nirgendwo in Afrika" (2002) und Stefan Ruzowitzkys "Die Fälscher" (2007) gewannen den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Diese Preise zeigen, dass der deutsche Film international konkurrenzfähig ist — und eine eigene Bildsprache und thematische Tiefe besitzt, die ihn von anderen nationalen Kinematografien unterscheidet.

Mit "Im Westen nichts Neues" (2022) von Edward Berger feierte ein deutsches Antikriegsepos einen globalen Triumph: Vier Oscars, darunter für den besten internationalen Film — und damit eine Erinnerung daran, dass das deutsche Kino auf der Weltbühne nach wie vor eine bedeutende Stimme hat.

Streaming verändert den deutschen Filmmarkt

Netflix, Amazon Prime Video, Disney+ und die deutschen Streaminganbieter ARD Mediathek, ZDF Mediathek und MagentaTV haben das Konsumverhalten des deutschen Publikums grundlegend verändert. In deutschen Haushalten wird heute mehr Zeit mit Streaming-Inhalten verbracht als mit linearem Fernsehen — ein Trend, der sich nach der Coronapandemie deutlich beschleunigt hat.

Öffentlich-rechtliche Filmbilanz: ARD und ZDF

Deutschlands starkes System öffentlich-rechtlicher Sender — ARD und ZDF — hat traditionell eine zentrale Rolle bei der Finanzierung und Verbreitung von Filmproduktionen gespielt. Fernsehfilme und Koproduktionen zwischen Sendern und Produktionsfirmen prägen die deutsche Filmlandschaft und finanzieren viele Projekte, die ohne öffentliche Förderung nicht realisierbar wären. Ob dieses Modell in der Streamingära zukunftsfähig ist, beschäftigt die Kulturpolitik und die Filmbranche gleichermassen.

Was macht das deutsche Kino besonders?

  • Thematische Ernsthaftigkeit: Ein Hang zu gesellschaftlich relevanten, oft politischen Stoffen — von der NS-Geschichte über die DDR bis zur Gegenwart.
  • Förderstruktur: Ein ausgefeiltes Netz aus Bundes- und Landesförderung, das auch kleine und künstlerisch anspruchsvolle Projekte ermöglicht.
  • Regionaler Reichtum: Starke Filmstandorte in Berlin, München, Hamburg und Köln mit eigenen Charakteren und Szenen.
  • Ausbildungsqualität: Renommierte Filmhochschulen wie die DFFB in Berlin, die HFF in München und die ifs in Köln.

Der deutsche Film steht heute vor denselben Herausforderungen wie alle nationalen Filmkulturen: Wie behauptet man sich gegen die globalen Streamingkonzerne, ohne die eigene Identität zu verlieren? Die Antwort, die Deutschland bislang gibt, ist eine Mischung aus staatlicher Förderung, öffentlich-rechtlicher Kofinanzierung und künstlerischer Ambition — eine fragile, aber bemerkenswert beständige Balance.