Deutschland mag geografisch nicht besonders groß sein, aber seine Naturlandschaften sind überraschend vielfältig. Im Norden der weite Horizont der Nordsee-Küste und die ruhige Ostsee, im Süden die dramatischen Gipfel der Bayerischen Alpen. Dazwischen: der dunkle Schwarzwald, das romantische Rheintal, die sanften Mittelgebirge, die weiten Ebenen des norddeutschen Tieflandes und die Seenlandschaft Mecklenburgs. Jede dieser Landschaften spricht eine andere Art von Mensch an — und sagt etwas über denjenigen aus, den sie anzieht.
Die Forschung zur sogenannten "Biophilie" — dem angeborenen menschlichen Bedürfnis nach Verbindung mit der natürlichen Welt — zeigt, dass regelmäßiger Aufenthalt in der Natur messbare positive Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden hat. Geringere Cortisol-Spiegel, niedrigerer Blutdruck, verbesserte Konzentration und weniger depressive Symptome sind die am häufigsten gemessenen Effekte. Was sich stärker unterscheidet, ist die Art der Natur, die für den Einzelnen diese Wirkung hat.
Der Wald als deutsches Kulturgut
Kein Naturraum ist so tief in der deutschen Kulturseele verankert wie der Wald. Vom Märchen bis zur Romantik, von Caspar David Friedrich bis zum "German Angst"-Begriff — der Wald ist Sehnsuchtsort, Schutzzauber und Bedrohung zugleich. Der moderne Waldspaziergang, das "Waldbaden" (eine Adaption des japanischen Shinrin-yoku), hat in Deutschland eine enthusiastische Anhängerschaft gefunden: Millionen Deutschlandbewohner suchen regelmäßig Erholung in Deutschlands 11 Millionen Hektar Wald.
Die heilende Wirkung des Waldes ist wissenschaftlich gut belegt. Phytonzide — flüchtige organische Verbindungen, die Bäume zur Abwehr von Schädlingen freisetzen — fördern bei Menschen nachweislich die Aktivität natürlicher Killerzellen des Immunsystems. Ein zweitägiger Waldaufenthalt erhöht diese Immunaktivität um bis zu 50 Prozent und die Wirkung hält noch Wochen an.
Küste, Berg, Fluss: Verschiedene Naturtypen
Während der Wald vielleicht der am häufigsten genannte bevorzugte Naturraum in Deutschland ist, gibt es natürlich viele weitere. Die Küstenliebhaber schätzen den weiten Horizont, den salzigen Wind, die Geräusche von Möwen und Wellen. Die Bergmenschen suchen die Erhabenheit, die klare Luft und die Weitsicht. Die Fluss- und Seenliebhaber finden ihre Erholung am Wasser, im Kanu oder beim stillen Fischen.
