Deutschland ist kein Land der Extreme — keine Wüste, kein Regenwald, kein Hochgebirge wie die Schweizer Alpen. Und doch ist die Landschaftsvielfalt Deutschlands auf seinen 357.000 Quadratkilometern bemerkenswert: Von den Tidenmarschen des Wattenmeers über die Heidelandschaften der Lüneburger Heide, die Mittelgebirgszüge von Harz und Schwarzwald bis zu den bayerischen Seen und den Gipfeln des Wettersteingebirges — jede Region hat ihre eigene natürliche Identität.
Die Nordseeküste und das Wattenmeer
Das Wattenmeer ist eine der letzten großen unberührten Küstenlandschaften Europas: ein flaches, dynamisches Ökosystem aus Schlick, Salz und Gezeiten, das bei Ebbe trockenfällt und bei Flut wieder überschwemmt wird. Das Nationalpark-Wattenmeer ist als UNESCO-Weltnaturerbe anerkannt und beherbergt Millionen von Zugvögeln, Robben und eine einzigartige Meeresbodenbiologie.
Die Halligen — winzige, nicht eingedeichte Inseln im Wattenmeer — sind vielleicht das beeindruckendste Zeugnis für das Leben zwischen den Gezeiten: Bei Sturmflut überfluten die Wellen die Inseln vollständig, nur die mit Häusern bestandenen Warften ragen aus dem Wasser.
Der Schwarzwald: Meer aus Tanne und Fichte
Der Schwarzwald im Südwesten Deutschlands ist Deutschlands bekannteste Mittelgebirgslandschaft: dichte Fichten- und Tannenwälder, Kurorte mit langer Tradition, der Rhein im Westen und ein Höhenprofil, das von 200 bis fast 1500 Meter reicht. Der Feldberg, mit 1493 Metern der höchste Gipfel des Schwarzwaldes, bietet an klaren Tagen Sicht bis in die Alpen und in die Vogesen.
Die bayerischen Seen und Alpen
Die Berglandschaft des bayerischen Alpenvorlands mit seinen kristallklaren Seen — Chiemsee, Ammersee, Starnberger See, Königssee — ist eine der beliebtesten Naturregionen Deutschlands. Der Königssee im Berchtesgadener Land gilt als einer der schönsten Gebirgsseen Europas: eingebettet zwischen senkrechten Felswänden, das Wasser von einem tiefen, fast übernatürlichen Blaugrün.
Sanfte Mittelgebirge: Harz, Eifel, Rhön
- Der Harz: Das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands war durch die deutsche Teilung gespalten — seine Wälder und Moore haben sich inzwischen zu einem wichtigen Naturreservat entwickelt.
- Die Eifel: Vulkanisches Mittelgebirge an der Grenze zu Belgien und Luxemburg, mit Maaren, Lavafeldern und dem Nationalpark Eifel.
- Die Rhön: UNESCO-Biosphärenreservat mit weiten, offenen Hochflächen — bekannt für Segelfliegen, Sternenbeobachtung und seltene Grünlandarten.
Deutschlands Naturlandschaften sind kein Zufallsprodukt — sie sind das Ergebnis von Geologie, Klimageschichte und, in vielen Fällen, von Jahrhunderten menschlicher Bewirtschaftung. Ihr Erhalt ist eine Aufgabe, die naturschutzpolitisches Engagement, landwirtschaftliche Reformen und das Bewusstsein jedes Einzelnen erfordert.
